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Wasseraufbereitung für Glasindustrie

Wenn Wasser über Beschichtungsqualität entscheidet

Wie eine ReinwasserKreislaufanlage die Prozessstabilität in der Glasbeschichtung bei Saint-Gobain Glass Deutschland definiert

In hochsensiblen Beschichtungsprozessen der Flachglasindustrie können bereits geringfügige Abweichungen in der Wasserqualität erhebliche Auswirkungen auf Produktqualität und Ausschussraten haben. Eine Anlagenmodernisierung bei Saint-Gobain Glass Deutschland am Standort Köln-Porz zeigt, wie moderne ReinwasserKreislaufsysteme Transparenz, Stabilität und Ressourceneffizienz vereinen.

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Ein unterschätzter Faktor in der Flachglasveredelung

Die Anforderungen an beschichtetes Flachglas steigen kontinuierlich. Anwendungen reichen von energieeffizienten Fassaden über komplexe Isolierglaslösungen bis hin zu designorientierten Lösungen im Innenbereich. Neben hohen Qualitätsstandards rücken wirtschaftliche und ressourcenschonende Produktionsprozesse zunehmend in den Fokus.

Zentrale Schlüsseltechnologie sind Magnetron-Beschichtungsanlagen (Coaterlines), in denen funktionale Metall- und Metalloxidschichten aufgebracht werden. Die Prozessfenster sind eng: Bereits minimale Abweichungen einzelner Parameter können sich unmittelbar auf die Beschichtungsqualität auswirken. 

Ein wichtiger, häufig unterschätzter Einflussfaktor ist dabei die Qualität des Prozesswassers im vorgelagerten Glaswaschprozess.

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Standort Köln-Porz: Kontinuität und Weiterentwicklung

Die SaintGobain Glass Deutschland GmbH gehört zu den führenden Herstellern von Flachglaslösungen und ist Teil der international aufgestellten SaintGobainGruppe. Am traditionsreichen Standort KölnPorz entstehen seit über 125 Jahren hochwertige Multifunktionsgläser für Bauanwendungen und Spezialmärkte.

Neben technologischer Exzellenz steht insbesondere das Thema Nachhaltigkeit im Fokus. Rohstoffe werden systematisch im Kreislauf geführt. Unter anderem durch die Wiederverwertung von Produktionsausschuss und aufbereiteten Isoliergläsern aus Renovierungs- und Rückbauprojekten. Diese Materialien werden separiert, gereinigt und dem Schmelzprozess erneut zugeführt. Gerade in der Beschichtung zeigt sich jedoch: Ressourceneffizienz und Produktqualität sind untrennbar miteinander verbunden.

Recycling von Isoliergläsern Floatglasofen in der Glasproduktion
Wasseraufbereitung für verschiedene Scheibenformate

Bild1: Recycling von Produktionsausschuss und aufbereiteten Isoliergläsern. Bild 2: Floatglasofen, das Herzstück der Glasproduktion. Bild 3: Automatisierte Prozesse für Scheibenformate jeder Größe.

Wasser als kritischer Prozessparameter

Die Qualität der Beschichtung hängt maßgeblich von stabilen Prozessbedingungen ab. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Glasreinigung vor der Beschichtung: Nur vollständig saubere Oberflächen ermöglichen eine standardisierte Schichtabscheidung. Bereits geringe Verunreinigungen oder Schwankungen in der Wasserqualität können die Haftung und optischen Eigenschaften der Beschichtung beeinträchtigen. Wasser ist damit nicht mehr nur Hilfsstoff, sondern ein entscheidender Prozessparameter. 

Das Zusammenspiel von Wasseraufbereitung und Waschtechnik ist entscheidend. Erst die präzise Abstimmung beider Systeme stellt sicher, dass die geforderte Wasserqualität über den gesamten Prozess hinweg konstant erreicht wird. Während die Wasseraufbereitung die notwendigen Qualitätsparameter, wie etwa Leitfähigkeit, Partikelfreiheit und organische Belastung definiert und stabil hält, sorgt die Waschtechnik für deren prozesssichere Umsetzung an der Bauteiloberfläche. Dabei wirken mechanische, chemische und hydraulische Effekte zusammen und müssen exakt aufeinander abgestimmt sein. In der Praxis zeigt sich: Nur wenn beide Komponenten als integriertes Gesamtsystem betrachtet und betrieben werden, lassen sich reproduzierbare Ergebnisse, geringe Ausschussquoten und langfristig stabile Beschichtungsprozesse gewährleisten.

Die Stabilität im Waschprozess ist entscheidend. Nur mit einer konstant hohen Wasserqualität lassen sich gleichmäßige Beschichtungen wirtschaftlich realisieren.

Dipl.-Ing. Guido Sistermann

Head of Engineering, SaintGobain Glass Deutschland

Saint-Gobain Glass Deutschland gehört zur internationalen Saint-Gobain Gruppe und zählt zu den führenden Anbietern hochwertiger Glaslösungen für die Bau- und Architekturbranche. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt innovative Verglasungssysteme für Fenster, Fassaden sowie den Innenausbau. Im Fokus stehen energieeffiziente, nachhaltige und leistungsstarke Gläser, die Komfort, Sicherheit und Design miteinander verbinden. Mit modernen Produktionsstandorten, umfangreicher Forschungskompetenz und einem starken Bekenntnis zu nachhaltigem Bauen unterstützt Saint-Gobain Glass Kunden weltweit bei der Realisierung anspruchsvoller Bauprojekte. Das Unternehmen verfolgt dabei die Konzernvision „Making the World a Better Home“.

Wenn gewachsene Systeme an ihre Grenzen stoßen

Die bestehende Wasseraufbereitungsanlage am Standort Köln-Porz war über viele Jahre zuverlässig im Einsatz und wurde kontinuierlich durch EnviroFALK weiterentwickelt. Mit steigenden Anforderungen wuchs jedoch auch der Bedarf nach mehr Transparenz und einer gezielten Steuerbarkeit der Prozesse.

Ziel war eine moderne Lösung im Sinne von Industrie 4.0, mit durchgängiger Prozess- und Datentransparenz sowie der Möglichkeit, alle Anlagenstufen in Echtzeit zu überwachen und gezielt zu steuern.

Gemeinsam mit EnviroFALK wurde eine Reinwasser-Kreislaufanlage entwickelt, die genau auf diese Anforderungen ausgerichtet ist. Heute werden alle relevanten Prozessstufen zentral überwacht und in Echtzeit visualisiert. 

Mehrstufige Wasseraufbereitung im geschlossenen Kreislauf

Prozesssichere Reinwassererzeugung

Die Reinwasseraufbereitung erfolgt über ein klar strukturiertes, mehrstufiges Verfahren innerhalb eines geschlossenen Kreislaufsystems. Ziel ist eine konstant hohe, reproduzierbare Wasserqualität für die Anforderungen der Beschichtungsprozesse.

Verfahrenstechniken Wasseraufbereitung

Im ersten Schritt wird in diesem Fall das Brunnenwasser einer Filtration unterzogen, um partikuläre Verunreinigungen zuverlässig zu entfernen. Darauf aufbauend erfolgt die weitergehende Aufbereitung über mehrere abgestimmte Verfahrensstufen: Die Enthärtung reduziert Härtebildner und schützt nachfolgende Anlagenkomponenten, während die Umkehrosmose (RO) die zentrale Entsalzung übernimmt. In der anschließenden Elektrodeionisation (EDI) wird eine Feinentsalzung erreicht, die zu sehr niedrigen Leitfähigkeiten führt. Eine nachgeschaltete Speicherung in Schrägtanks mit UV-Desinfektion stellt die mikrobiologische Stabilität des Reinwassers sicher.

Reinwasseraufbereitung für konstant hohe Wasserqualität in der Glasbeschichtung.

Reinwasserkreislaufanlage für maximale Prozessstabilität in der Glasbeschichtung.

Reinwassereinsatz in der Glasreinigung

Das so erzeugte Reinwasser wird gezielt im Produktionsprozess eingesetzt und der Waschmaschine zugeführt. Im Reinigungsprozess gewährleistet es die gründliche Entfernung von Verunreinigungen auf den Glasoberflächen und schafft damit die entscheidende Voraussetzung für eine gleichmäßige und qualitativ hochwertige Beschichtung. Die Wasserqualität hat in diesem Prozessschritt unmittelbaren Einfluss auf die Produktqualität und die Ausschussrate.

Wiederaufbereitung und Kreislaufführung

Ein zentrales Merkmal des Anlagenkonzepts ist die konsequente Kreislaufführung des Prozesswassers. Anfallendes Waschwasser wird nicht verworfen, sondern einer mehrstufigen Wiederaufbereitung unterzogen und anschließend in den Prozess zurückgeführt. Zunächst entfernt eine Ultrafiltration zuverlässig Partikel, Kolloide und mikrobiologische Bestandteile. Anschließend sorgt eine zweistufige Umkehrosmose für die Reduktion gelöster Inhaltsstoffe. Das so vorbehandelte Wasser durchläuft danach erneut die zentralen Stufen der Wasseraufbereitungsanlage und wird anschließend dem Waschprozess wieder zugeführt.  

Geschlossene Reinwasserkreislaufführung für maximale Effizienz

Durch die gezielte Kombination und Abstimmung der einzelnen Verfahrensschritte entsteht ein geschlossenes, transparent steuerbares System. Dieses gewährleistet nicht nur eine stabile und reproduzierbare Wasserqualität, sondern ermöglicht zugleich den Übergang von einem linearen Verbrauchssystem zu einer ressourceneffizienten Kreislaufführung. Neben der Prozesssicherheit trägt das Konzept damit wesentlich zur Reduktion von Frischwasserbedarf und Abwassermengen bei und erfüllt steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in der industriellen Produktion.

Transparenz bis auf Sensorebene

Ein besonderer Fokus liegt zudem auf der Mess-, Steuer- und Regeltechnik mit IOLink-Technologie. Diese ermöglicht eine durchgängige Kommunikation bis auf die Sensorebene und stellt erweiterte Diagnose- und Prozessdaten in Echtzeit bereit. Ziel war es, maximale Transparenz zu schaffen und gleichzeitig eine stabile Anlagenführung zu gewährleisten. Über ein zentrales Dashboard stehen alle relevanten Prozessdaten in Echtzeit zur Verfügung. Abweichungen können frühzeitig erkannt und gezielt korrigiert werden. 

MagnetronBeschichtungsanlagen (Coaterlines) erzeugen funktionale Metallschichten, entscheidend ist hierbei die Wasserqualität im vorgelagerten Waschprozess.

„Wir erreichen Leitfähigkeiten nahe dem technisch Machbaren und stellen damit konstant hohe Wasserqualitäten für den 24/7Betrieb bereit.“

David Hannappel

Anwendungsberater, EnviroFALK

Stabile Prozesse, gesteigerte Effizienz

Nicht nur die technische Lösung, sondern auch die Umsetzung unter laufenden Produktionsbedingungen stellte das Projekt vor besondere Herausforderungen. Die Montage und Inbetriebnahme mussten in einem eng gesteckten Zeitfenster erfolgen. Entsprechend hoch waren die Anforderungen an Planung und Koordination.

Durch die enge Zusammenarbeit der Projektteams von EnviroFALK und Saint-Gobain Glass Deutschland wurden alle Schnittstellen frühzeitig definiert und präzise koordiniert. Dieses abgestimmte Vorgehen bildete die Grundlage für einen reibungslosen Ablauf und die erfolgreiche Inbetriebnahme der Reinwasserkreislaufanalge kurz vor Jahresende.

„Heute sehen wir auf einen Blick, was in der Wasseraufbereitungsanlage passiert. Das gibt uns die Transparenz, unsere Prozesse gezielt zu steuern und weiterzuentwickeln.“

Marius Bongartz

Ingenieur-Prozesstechnik, SaintGobain Glass Deutschland

Projektumsetzung unter engen Rahmenbedingungen

Die Kombination aus Kreislaufführung, präziser Regeltechnik und kontinuierlicher Überwachung ermöglicht eine stabile Wasserqualität im laufenden Betrieb. Dies wirkt sich direkt auf die Prozesssicherheit und die Qualität der Beschichtung aus. Gleichzeitig werden Ressourcen effizienter genutzt: Wasserverbräuche sinken, Prozessabweichungen werden reduziert und der Anlagenbetrieb lässt sich gezielt optimieren.

Automatisierte Prozesse für Scheibenformate jeder Größe.

„Wir haben alle Übergabepunkte präzise abgestimmt. So konnten wir die Reinwasserkreislaufanlage im engen Zeitfenster vor Weihnachten erfolgreich in Betrieb nehmen.“

Stefan Zerfas

Projektleiter, EnviroFALK

Ausblick: Wasseraufbereitung als strategischer Faktor

Mit steigenden Anforderungen an Energieeffizienz, Produktqualität und Nachhaltigkeit rückt die Wasseraufbereitung zunehmend in den Fokus industrieller Prozesse. Insbesondere in sensiblen Anwendungen, wie der Glasbeschichtung, wird sie zum integralen Bestandteil der Produktionsstrategie. 

Das Beispiel am Standort KölnPorz zeigt, wie moderne ReinwasserKreislaufsysteme dazu beitragen, Transparenz zu schaffen, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig stabile Prozessbedingungen sicherzustellen.

Fazit

Wasser ist in der Glasbeschichtung weit mehr als ein Hilfsmedium. Es ist ein entscheidender Prozessparameter. Konstant hohe Wasserqualitäten bilden die Voraussetzung für stabile Prozesse, reproduzierbare Ergebnisse und wirtschaftliche Produktion. Die Beschichtungsqualität beginnt somit bereits bei der Wasseraufbereitung.

FAQ

Eine konstant hohe Wasserqualität ist entscheidend für die Qualität der Glasbeschichtung. Bereits geringe Verunreinigungen oder Schwankungen können die Haftung und die optischen Eigenschaften der Beschichtung beeinträchtigen. Besonders bei der Glasreinigung vor der Beschichtung ist hochwertiges Reinwasser daher ein wichtiger Prozessparameter.

Bei Saint-Gobain Glass Deutschland erfolgt die Reinwasseraufbereitung in mehreren aufeinander abgestimmten Verfahrensstufen. Dazu gehören Filtration, Enthärtung, Umkehrosmose (RO) und Elektrodeionisation (EDI). Eine anschließende Speicherung mit UV-Desinfektion unterstützt die mikrobiologische Stabilität des Reinwassers.

Das aufbereitete Reinwasser wird der Waschmaschine zugeführt und dient der gründlichen Reinigung der Glasoberflächen. Saubere Oberflächen sind eine wesentliche Voraussetzung für eine gleichmäßige und hochwertige Beschichtung. Die Wasserqualität beeinflusst damit unmittelbar die Produktqualität und die Ausschussrate.

Das beim Waschprozess anfallende Wasser kann aufbereitet und anschließend wieder in den Prozess zurückgeführt werden. Bei der Anlage von Saint-Gobain kommen dafür unter anderem Ultrafiltration und eine zweistufige Umkehrosmose zum Einsatz. Anschließend durchläuft das Wasser erneut die zentralen Stufen der Wasseraufbereitung.

Eine geschlossene Reinwasserkreislaufführung ermöglicht eine stabile und reproduzierbare Wasserqualität und reduziert gleichzeitig den Frischwasserbedarf sowie die anfallenden Abwassermengen. Dadurch lassen sich Prozesssicherheit, Ressourceneffizienz und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden.

Bei der Reinwasser-Kreislaufanlage von Saint-Gobain werden relevante Prozessdaten zentral erfasst und in Echtzeit bereitgestellt. Durch Mess-, Steuer- und Regeltechnik mit IO-Link-Technologie können Daten bis auf Sensorebene ausgewertet werden. Abweichungen lassen sich dadurch frühzeitig erkennen und gezielt korrigieren.

Die Anlage kombiniert verschiedene Verfahren der industriellen Wasseraufbereitung. Dazu zählen Filtration, Enthärtung, Umkehrosmose (RO), Elektrodeionisation (EDI), UV-Desinfektion und Ultrafiltration. Die einzelnen Verfahren sind aufeinander abgestimmt und Teil eines geschlossenen Reinwasserkreislaufs.

Durch die Wiederaufbereitung und Kreislaufführung des Prozesswassers kann der Bedarf an Frischwasser reduziert und die Abwassermenge gesenkt werden. Gleichzeitig sorgt eine konstant hohe Wasserqualität für stabile Produktionsbedingungen und unterstützt damit eine ressourceneffiziente und wirtschaftliche Glasproduktion.

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